Supermom

Ich bin stolz, nicht alles zu schaffen

Ich bin eine Frau, die viel will – und viel gibt. Ich bin Mutter von zwei wunderbaren Töchtern. Ich arbeite, bilde mich weiter, kümmere mich um unseren Haushalt, um Ordnung, um Schönheit, um Struktur. Ich liebe ein schönes Zuhause – mit aufgeräumtem Keller, gepflegtem Garten, liebevoll dekorierten Ecken. Ich möchte, dass es bei uns nicht nur funktioniert, sondern dass es sehr sehr gut ist. Harmonisch. Stimmig. Schön.

Ich bin aber nicht nur Hausfrau und Gestalterin meines Heims. Ich bin auch Lernbegleiterin, Zuhörerin, Seelentrösterin, Köchin, Spielkameradin, Mutmacherin, Fahrdienst, Wachstumspartnerin – kurz gesagt: die beste Mutter, die ich für meine Kinder sein kann.

Und genau da beginnt die Wahrheit, die mir manchmal schwerfällt auszusprechen:
Ich schaffe es nicht, alles zu schaffen.

Ich bin nicht rund um die Uhr perfekt. Ich bin nicht immer ausgeglichen. Ich bin nicht immer „fertig“ mit allem.
Der Keller? Nicht sortiert. Die Garage? Wieder ein Chaos. Der Garten und die Gartenbeete? Unkraut.
Aber das Bett meines Kindes? Warm. Die Arme? Offen. Die Worte? Ehrlich.
Die Priorität? Glasklar.

„Good enough mother“ – warum dieser Ausdruck mir weh tut

Irgendwann sagte jemand zu mir: „Du bist doch eine good enough mother. Das reicht doch.“
Und ich verstand, dass das gut gemeint war. Aber in meinem Herzen klang es wie ein Kritik.
„Gut genug“ – als ob ich irgendwo nicht ausreiche.

Ich bin nicht „gut genug“.
Ich bin richtig. Ich bin präsent. Ich bin genau da, wo ich gebraucht werde.
Nicht weil ich alles im Griff habe. Sondern weil ich meine Kraft dort einsetze, wo sie zählt: bei meinen Kindern.

Warum ich stolz bin, nicht alles zu schaffen

Lange habe ich dagegen angekämpft. Habe mich schlecht gefühlt, wenn ich es nicht geschafft habe, alle To-dos abzuhaken.
Ich habe mich innerlich geschämt, wenn ich dachte: „Das hätte ich noch… Das müsste ich noch…“
Aber irgendwann kam die Erkenntnis:
Nicht alles zu schaffen ist keine Blamage – es ist ein Zeichen von gescheiter Priorität.

Denn was bringt ein perfekt aufgeräumter Keller, wenn mein Kind mit Bauchweh weinend im Bett liegt und ich keine Zeit habe, ihm zuzuhören?
Was bringt ein Pinterest-reifer Garten, wenn ich zu müde bin, um beim Abendessen ein echtes Gespräch zu führen?

Ich bin eine Supermom – gerade weil ich nicht alles mache

Ich bin eine Supermom. Nicht, weil ich alles gleichzeitig jongliere. Sondern weil ich weiss, was zählt.
Weil ich inmitten all der Anforderungen des Lebens meine Kinder an die erste Stelle setze.
Weil ich sie sehe. Wirklich sehe.
Weil ich mich selbst manchmal zurücknehme – nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke.

Und doch… ist da dieser ständige Druck:
Neben Kindern: Arbeit, Weiterbildung, Haushalt und Garten gibt es da auch noch die Haustiere, denn – klar – Kinder sollen mit Tieren aufwachsen.
Dann bin ich auch noch engagiert, ehrenamtlich aktiv, übernehme Ämtli in der Kirche.
Weil es sich ja gehört. Weil man nicht einfach „nur daheim“ sein kann. Weil man „dazugehört“.
Weil es in unserer Gesellschaft fast wie Faulheit wirkt, wenn man mal nicht mitmacht.

Und als wäre das noch nicht genug:
Ich soll auch noch gut aussehen, schlank sein, gepflegt, aber bitte natürlich.
Denn eine Frau, die stark übergewichtig ist? Das geht doch nicht. Das ist doch kein Vorbild.
Sagen sie.

Aber ich sage:
Doch. Genau das ist das Vorbild, das ich meinen Kindern geben möchte.

Nicht Perfektion.
Sondern Echtheit.
Nicht Dauerleistung.
Sondern bewusste Entscheidung.

Es geht nicht um Leistung – es geht um Liebe

Wenn ich meiner Tochter eines mitgeben möchte, dann nicht das Bild einer erschöpften Mutter, die versucht, alles perfekt zu machen.
Sondern das Bild einer Frau, die sich erlaubt, Pausen zu machen.
Die den Mut hat, „Nein“ zu sagen.
Die zeigt, dass es notwendig ist, sich selbst nicht zu überfordern.
Die nicht ständig allem gerecht wird, sondern sich selbst treu bleibt.

Ich will nicht, dass meine Kinder später denken: „So muss man das machen – alles auf einmal.“
Ich will, dass sie denken:
„So fühlt sich Liebe an. So fühlt sich Präsenz an. So fühlt sich echtes Leben an.“

Und wenn du das gerade liest...

…und du bist auch eine Mutter, die sich manchmal fragt, ob sie genug ist,
ob sie versagt, weil sie nicht alle Erwartungen erfüllt,
dann sage ich dir:

Du bist nicht „good enough“. Du bist grossartig.

Nicht weil du alles schaffst. Sondern weil du da bist.
Weil du liebst. Weil du wählst.
Weil du Prioritäten setzt – und das ist mehr als „gut genug“.
Das ist mutig. Und das ist richtig.